Zwischenraum

8. Zwischenruf - und Zwischenräume im Fussball

Seit einigen Wochen bekommen Sie einmal wöchentlich einen Newsletter und einmal monatlich eine Podcastfolge zum Thema Zwischenraum. Ich hoffe es waren für Sie sinnvolle Impulse dabei.

Letzte Woche gab es einen Newsletterzwischenraum, also keinen Newsletter.

Am letzten Samstag kam die Podcastfolge zum Thema: „Zwischenmenschliches“ heraus.
Dort geht es um das „Dritte in der Mitte“, also um die Beziehung, die sich zwischen zwei Menschen ausprägt:
„Zwischenmenschliches“: https://www.muenchner-kirchenradio.de/podcasts/lehners-schraege-lebenshilfe/

Jetzt doch noch, anlässlich der Fußball-EM, ein kleiner Impuls: Tatsächlich höre ich mit Erstaunen, dass es offenbar im Fußball eine Strategie gibt, Zwischenräume zu eröffnen. Sie werden tatsächlich Zwischenräume genannt und folgendes ist damit gemeint, soweit mein Laienverstand das kapiert hat:
Wie bekomme ich Zwischenräume in der gegnerischen Verteidigung, um einen Angriff erfolgreich einzuleiten:
Soweit ich verstanden habe setzen sich dabei ein, zwei Spieler aus dem Mittelfeld ohne Ball in Richtung eigenes Tor in Bewegung und binden damit die gegnerischen Spieler, die natürlich mitgehen. Sie „ziehen“ das Feld sozusagen auseinander. Dem Spieler mit dem Ball eröffnen sich dann in der gegnerischen Hälfte Zwischenräume, die dann für einen Angriff genutzt werden können. Also wiederum Potential- oder Möglichkeitsräume.
Wer es besser als ich verstanden hat, bitte melden!

Eine gute Woche mit vielen Zwischenräumen wünscht
Ihr
Karl-Heinz Lehner

7. Zwischenmenschliches

Da steht etwas zwischen uns – das ist so eine Redensart, wenn eine Beziehung nicht so ganz oder gar nicht in Ordnung ist. Da steht also etwas zwischen uns, wo eigentlich Beziehung sein sollte. Der Zwischenraum den es wohl braucht um in Beziehung zu treten ist blockiert, besetzt oder nicht vorhanden. Da muss dann etwas ausgeräumt werden, damit wir wieder in eine gute Beziehung treten können und der Zwischenraum muss wieder eingeräumt werden.
Diese Idee findet sich nämlich auch im japanischen Schriftbild „Mensch“ wieder – Zwei Beine 人(hito) meint auch schon Mensch.
Mensch als eine Person ist ein Mensch mit Zwischenraum: 人間 [ningen] 間 = wie schon erklärt das Zeichen für Zwischenraum
Das meint u.a. die Persönlichkeit aber auch, dass wir Menschen mit und aus dem zwischen-menschlichen leben – aus der Beziehung die da-zwischen ist: Und in diesem Zwischenraum wohnt die Freiheit die notwendig ist, damit überhaupt Beziehung möglich ist.
Khalil Ghribran beschreibt in seinem Text für eine gelingende Ehe – „von der Ehe“ poetisch genau das:

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6. Zwischenstopp - beim Redefluss

„Ich wäre langsam im Sprechen, indem ich das Hören für mich nutze; ruhig, um die Auffassungen, Gefühle und Willen derjenigen, die sprechen, zu verspüren und kennen zu lernen, um besser zu antworten oder zu schweigen“ *

Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens hat diesen Hinweis seinen Mitbrüdern, die er aufs Konzil von Trient geschickt hat. als „VADEMECUM“ (geht- mit- mir ) mit auf dem Weg gegeben.
Die Übung erinnert ans Essen in der ersten Übung – vielleicht sind sie ja auf den Geschmack gekommen.
Jetzt geht es um den Zwischenraum zwischen Sprechen und Antworten mit einigen Parallelen:

langsam in Ruhe essen – langsam in Ruhe sprechen
schmecken, kauen, Geschmack verkosten: salzig, sauer, süß …- Gedanken, Gefühle, Wollen verspüren, kennen lernen
nach jedem Bissen ein Zwischenraum (leerer Mund) – nach dem Sprechen und während des Sprechens Zwischenräume….

… „um besser zu antworten oder zu schweigen“.

Ignatius verordnet nicht – er spricht von sich: Ich wäre ….

Ich selbst werde diese Woche einmal anfangen mit langsamen Sprechen. Ach ja, da gibt es dann wohl auch bewußtere Zwischenräume zwischen meinen Worten. Mal sehen was das bewirkt.

  • Ignatius von Loyola, Briefe und Unterweisungen, übers. und hrsg. von Peter Knauer, Würzburg 1993, 116

5. L E E R Z E I C H E N

Leerzeichengibtesvermutlichausmehrerengründensieverbessern
dielesbarkeiteinestextesundvermutlichauchdessenverstehbarkeitwer
alsoohnepunktundkommaundauchohneleerzeichenschreibtdürfteindergefahrsein
dassseintextwennüberhauptnichtoderkaumgelesenundverstandenwird.

Bei diesem Zeichen geht es also wieder um Leere, um ein Leer-zeichen eben. Nach jedem Punkt z.B. gibt es ein Leerzeichen. Punkte werden in der Regel dann gesetzt, wenn ein Gedanke einen Abschluss bekommen hat. Danach könnte mensch sich, eine Leerzeit gönnen.

Ein Zwischenraum zum nachschmecken, nachdenken, nachfühlen und vielleicht auch die Neugierde was jetzt kommen könnte.
Und da zeigt sich schnell ob das, was mensch da liest gehaltvoll oder inhaltsleer ist.

Ja und da gibt es dann noch den Absatz: – ein größerer Zwischenraum nach einem längeren Gedankengang. Auch eine Einladung zum Nachdenken und Nachspüren.

Und wer dann sogar zwischen den Zeilen lesen kann, denn auch da gibt es einen „Zwischenraum“, der besitzt eine wunderbare Fähigkeit.
Sollten jetzt beim Lesen die Zwischenräume ins Auge springen, ist das schon ein gutes (Leer-) Zeichen

4. zwischenräumen - nicht versäumen!

Blick in unseren Meditationsraum

In der neuen Podcastfolge (hier )geht es um Räume, Zwischenräume und Leer-Räume zwischen den Dingen.
Gedanken aus der japanischen Architekturkultur und mehr!
Um es kurz zu machen: Viele Menschen haben Ihre Räume völlig zugeräumt und vollgestellt. Es gibt zu wenig Zwischenraum, damit die Dinge (und vermutlich auch die Menschen) wirklich in Beziehung treten können. Es steht im wahrsten Sinn des Wortes zu viel dazwischen. Japanische Kultur bedeutet, dass es die Zwischenräume, die Leere zwischen den Dingen braucht, damit sie in Beziehung treten können.
Weil da so ist könnte es doch eine Überlegung wert sein, was mensch denn alles ausräumen sollte oder könnte, damit wieder genügend Luft zum Atmen da ist:

Man nehme jeden Tag

einen Gegenstand
in die Hand
bereite ihn dann zum Versand
an Orte, die uns wohlbekannt.

Denn da hat sich angesammelt
was dort länger schon vergammelt

und die Luft zum Atmen nimmt:
und so sage ich bestimmt!

zwischenräumen nicht versäumen!

Das ist übrigens das japanische Wort für Dummheit oder Idiot: Da kommt auch das Zeichen für Ma – Zwischenraum vor… . In der Podcastfolge wirds erklärt!
間抜け

3. ZWISCHENGANG: SPAZIERGANG

Nur raus! Aus dem Zimmer das ein Gefängnis sein kann. Raus auch aus der Enge eines Gesprächs. Friedrich Schiller beschreibt das in seinem Gedicht „Spaziergang“. Es kann auch die Enge der Gedanken, der Gefühle sein (Angst kommt von Enge), die zum Spaziergang einlädt.

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2 . Gib dem Zwischen - Raum, um aus dem Fenster raus zu schaun:

Ein Fenster ist ja an sich schon ein Zwischenraum zwischen Wänden.
Aus dem Fenster schauen ist sozusagen das Nehmen einer Zwischenzeit, um durch den Zwischenraum zu schauen: Durch ein Tor in eine andere Welt, gedankenverloren, unverzweckt, träumerisch.
Diese Übung machen Schüler im Unterricht schon seit es Schule gibt, – auch wenn die Pädagog*innen den Wert dieser Übung gerne während ihres Unterrichts in Frage stellen.
Und doch ist es eine wunderbare z.B. Büroübung:

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Wo ist der Geist? Im Zwischenraum?

Wo ist der Geist?

Er ist nicht hier,
Er ist nicht da
wie wunderbar!

Er ist dazwischen,
um jedem Zugriff
zu entwischen!

Willst du ihn spüren
soll er dich berühren
mit Freiheit und Lebendigkeit?

willst du ihn schaun?
Dann gib dem Zwischen

– Raum!
KHL

1. Übung: Zwischen zwei Bissen beim Essen

Es empfiehlt sich damit zu beginnen, wenn mensch allein ist und etwas Zeit hat.
Also ganz normal essen – und nachdem der Bissen wohlgekaut geschluckt ist, einen Zwischenraum setzen (Tipp: Gabel etc. weglegen) und:
Nachschmecken, den Nachgeschmack schmecken, möge es kein schaler sein, sondern ein vielfältiger!
Und dann: Vorschmecken, also den Vorgeschmack schmecken.
-
Nochmal schlucken,
-
DANN kommt der nächste Bissen.

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