Hochschulgemeinde: Gegen-Kraft

NEWSLETTER Gegenkraft: NICHT TUN

Ohne Kraft keine Gegenkraft: Über das Tun und das Nicht-Tun.

„Was ist das Lebens? Das Leben ist nichts anderes als die sinnvolle Überbrückung zwischen zwei Kaffeepausen“

Diesen Satz habe ich meinem geistlichen Lehrer Elmar Gruber zu verdanken . (Sie erinnern sich – der Satz mit Humor war auch von ihm).
In vielen Fällen lösten seine Sätze Schmunzeln aus, so auch dieser Satz. Doch was dieser Satz eigentlich bedeutet ist mir erst richtig klar geworden als ich ihn in Verbindung mit der Schöpfungsgeschichte brachte:
Gen 2,2: Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.

Klar- hier wird der Sonntag eingeführt – oder jüdisch eben der Sabbat. Das ist uns bekannt.
Ist Ihnen aber aufgefallen, dass da steht: Am 7. Tag VOLLENDETE er sein Werk – dadurch dass er ruht also NICHT-TUT?

Die Vollendung der Schöpfung ist also nicht der Mensch am 6. Tag sondern die Vollendung der ganzen Schöpfung ist der 7. Tag – der Ruhetag, der NICHT-TUN TAG. Nach jüdischem Glauben kommt der Messias, wenn dieses NICHT-TUN am Sabbat vollkommen eingehalten wird.
Wenn der „7.“ Tag fehlt- also das NICHT- TUN fehlt, die Kaffeepause ausfällt, dann ist das Werk nicht vollendet.

Das Glückskleeblatt und zugleich die Gegenkraft in dieser Woche ist also das Vollenden des TUNS durch NICHT-TUN!
Ohne NICHT-TUN ist unser TUN unvollkommen und un-menschlich weil das eigentlich Menschliche auf der Strecke bleibt- die Fähigkeit zum NICHT-TUN:
In Ruhe sein- zufrieden sein – bei sich sein- präsent sein – liebevoll gegenwärtig sein – und sich und sein Tun frei zu geben.

Seit dem 12. November ist nach alter Zählung (nach dem Schlemmen der Martinsgans am 11. 11. wie das Gaudium am Faschingsdienstag ) der Beginn des 40- tägigen gallischen Advents: Das Erwarten des Kommens des Messias. Kommt er wenn wir NICHT-TUN ?

Letzte Woche bekam ich einige handgemachte Lebkuchen von meiner Tochter geschenkt. Ich nahm einen Bissen und bekann zu essen. Geschmacksknospenexplosion !!! Nachdem ich genügend gekaut und gekostet hatte schluckte ich diesen Genuß und – tat nichts. Ich schmeckte nach, spürte nach, ja vollendete den Genuß! Inne-halten nennt man das auch. Das was wertvoll ist Innen-halten.

Ein Maler tritt nach dem Malen des Bildes zurück (das macht er zwischendurch auch immer wieder) betrachtet sein Werk, vollendet es dadurch und gibt es frei. So wie der Schöpfer die Welt freigibt – in ihre Eigenverantwortung.

Wenn ich eine Arbeit beende, dann wird Sie vollendet, dadurch dass ich eine Pause anschließe in der ich nicht etwas anderes tue ( IPhone benutzen, telefonieren, etc. )sondern einfach nur dasitze … aus dem Fenster zu schaue…. oder die Augen schließe…. die Gedanken ziehen lasse , vielleicht einen Schluck Kaffee trinke und nach jedem Schluck wieder ein kurzes Nicht- tun.

Was geschieht wohl, wenn ich das öfter praktiziere?

Alles was ohne Punkt und Komma abläuft, pausenlos läuft, braucht eine Unterbrechung*, die das Getane vollendet.

Was mir gerade auffällt: Irgend etwas zu tun oder irgend etwas zu konsumieren lässt sich schwerlich vollenden…. .
Es wäre also vielleicht besser es von vorne herein NICHT – ZU – TUN!

Kleeblatt: Kuntheas Interpretation in Form und Farbe : „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins als Schlüssel zum freien Leben – frei vor Mauern.“

Eine gute Woche wünscht

Karl-Heinz Lehner

  • Unterbrechung ist die kürzeste Definition von Religion. J. B. Metz