Hochschulgemeinde: Gegen-Kraft

NEWSLETTER Gegenkraft: TEILEN

Das Motto „teile und herrsche“ (divide et impera) perfekt von J. Cäsar und seinem Heer umgesetzt(1) geht auf das Gewinnen und Halten von Macht und damit auch auf die Vergrößerung des eigenen Egos: Rom/Cäsar first!
Das Teilen des Mantels mit dem nackten Bettler durch Martin von Tours – Soldat der kaiserlichen römischen Reiterei nimmt Ohnmacht wahr und macht den Schritt vom Ego-Ich zum Du – zur Solidarität. Wir feiern sein Fest am Mittwoch.(2)
Die Engländer und auch die Franzosen kennen im Gegensatz zu uns auch sprachlich die Differenz der beiden Arten zu Teilen: „to divide“ meint die erste Art und „to share“ die zweite Art des Teilens (franz. partager).
Unsere Welt auch unsere eigene Welt ist durchzogen von beiden Arten des Teilens – (aktuell hat ein Virus die „Herrschaft“ übernommen auch weil er sich so rasant teilen kann… .)

Die erste Art des Teilens hat einige Konsequenzen: Sie macht einsam, letztlich krank und egomanisch – nicht zuletzt deshalb weil die eigene innere Leere, Bedeutungslosigkeit und Ohnmacht mit allen Mitten ständig abgewehrt werden muss.

Die zweite Art des Teilens(3)- die Gegenkraft zur ersten Art trägt etwas in sich, das die eigenen Grenzen zulässt, sie übersteigt und die Chance auf eine neue Wirklichkeit eröffnet:
- Wenn an den Universitäten, Hochschulen Wissen geteilt wird, dann ist das die Voraussetzung das etwas ganz Neues entdeckt und begriffen werden kann.
- Wenn Menschen Trauer miteinander teilen, dann wird der Grund für die Trauer nicht abgeschafft, aber der Trost wächst.
- Wenn zwei Freunde sich eine Flasche Wein teilen, dann wird der Wein zwar weniger, aber die Freundschaft vertieft sich.
- Wenn Liebende ein Bett teilen wird das Bett dadurch nicht größer, aber die Intimität wächst.
- Wenn Mitarbeiter im Homeoffice zum Telefon greifen und einen Kollegen/Kollegin anrufen den Sie sonst nicht unbedingt anrufen würden und einfach nur fragen wie es geht . Dann wird die Entfernung zum Kollegen/Kollegin nicht geringer, aber die Verbundenheit und Solidarität wächst. Das ist An-teil nehmen.

In dieser Woche werde ich drei mal täglich – kleinste Momente der Verbundenheit, der Sympathie, der Nähe (auf Distanz) wie vierblättrige Kleeblätter ver-teilen,- ich bin gespannt was da wächst. Die Bibel spricht beim Teilen vom Wachsen des Reiches Gottes das völlig unscheinbar und klein beginnt.

Kunthea hat wieder das Kleeblatt entworfen – lassen Sie es auf sich wirken – es hat das Thema der Woche in sich! Sie schreibt: „Zu teilen ist mir als Kind mit meinem Bruder sehr schwer gefallen. Heute teile ich am liebsten mit ihm.“

(1) Bei der Belagerung von Alesia lässt er rund um die Stadt eine Palisade bauen und hinter seinen Truppen, die rund um die Stadt liegen, eine weitere Palisade: Die Bewohner der Stadt können nicht flüchten, ein Entsatzheer kann ihm nicht in den Rücken fallen und für seine Soldaten gibt es auch keine Fluchtmöglichkeit nur eine Option: Siegen!
(2) In der nächsten Nacht, so die Legende, sei ihm dann Christus im Traum erschienen mit dem halben Mantel den er dem Bettler gegeben hat: „Was du einem meiner geringsten Brüder getan hast, das hast Du mir getan.“ Alle Menschen besitzen die gleiche Würde! Als Martin zum Bischof gemacht werden sollte versteckte er sich… :)
(3) Inspiration zum Thema St. Martin, Macht und Teilen habe ich von meiner Frau und Prof. Dr. Dr. Hans- Joachim Sander. Danke!