Hochschulgemeinde: Gegen-Kraft

NEWSLETTER Gegenkraft: GENUSS

Wer nicht genießen kann wird ungenießbar! *
Genusskleeblattfinden im Lock-down light.

Wer mit Covid 19 infiziert ist klagt auch über den temporären Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Viele die vom Lock-down betroffen sind klagen darüber, dass die Möglichkeiten zu genießen stark eingeschränkt sind.

Kunthea hat das Kleeblatt zum Thema Genuss entworfen: Sie schreibt dazu : „Der Augenblick ist Ewigkeit – Begierde, Spannung, Explosion – der Genuss als Fromm‘sche Selbstliebe, die Essenz eines zufriedenen Lebens. „

Ignatius von Loyola gibt hier einen Hinweis: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und leistet ihr Genüge, sondern das innere Fühlen und Verkosten der Dinge von Innen“ oder anders gesagt:
Es braucht also nicht viel um zu genießen, um zu ver-kosten. Eigentlich nur eine innere Haltung: „Es braucht zu allem ein Entschließen – auch zum Genießen“ **
Geschmack finden an dem was schon da ist: Ich hab das mal die letzten Tage ausprobiert und war sehr überrascht was mir da alles entgegen kam:
- Zähneputzen: leichtes, bewusstes, genussvolles Massieren des Zahnfleisches mit der Zahnbürste zusammen mit dem guten Geschmack der Zahnpasta.

Nicht nebenbei machen und mental schon irgendwo sein – nein Genuß JETZT!

- Kaffee zubereiten, Kaffepulver riechen, – langsam den Kaffee liebevoll zubereiten, dieser Duft: Der Kaffee ist fertig… . (Tee geht auch..)
(Ich gebe zum Kaffee immer ein paar Körnchen Salz : In „sapere“ – lateinisch „schmecken“ steckt Salz „sales“ drin und „Schmecken“ – das ist ein erster Schritt zur „Sapientia“, zur Weisheit)
- und dann noch etwas Zucker – umrühren- der erste Schluck – hmmmmm.
- Müsli…. Brot … was immer auch – langsam genussvoll kauen- und es erschließen sich die verschiedenen Geschmacksnuancen… .
- Duschen … das Wasser spüren – Duschgel auftragen, waschen, riechen…. ich dusche noch kalt mit anschl. Wärmeexplosion …. herrlich
- Duftende Gesichtscreme /Handcreme auftragen, einreiben, riechen.
und so weiter und so weiter… (das waren jetzt grade mal 3o Minuten!) Genussmomente fließen den ganzen Tag-, wie bei Kuntheas Kleeblatt

In JEDER Vorlesung, in JEDER Arbeitsstunde – mindestens! einen kleinen Genuss einbauen oder entdecken und sei es nur genussvolles ausgiebiges Räkeln, Strecken und Gähnen.
Während Sie das hier lesen sind Ihre Sinne schon aufgewacht und finden, ohne dass Sie es noch so richtig merken die nächsten Genusskleeblätter des heutigen Tages und der kommenden Woche.

Und natürlich EINANDER genießen: Die Menschen die ich liebe und die mich lieben. Allein schon die Anwesenheit eines geliebten Menschen lässt sich genießen. Sogar wenn er oder sie körperlich abwesend ist!
Der Hl. Augustinus spricht davon, dass wir sogar Gott genießen können und meint vermutlich damit, dass wir umfangen sind von seiner überfließenden, liebevollen, unaufdringlichen Anwesenheit.

eine genussreiche Woche
wünscht
Karl-Heinz Lehner

*mein ehemaliger Moraltheologieprofessor
**Eduard von Bauernfeld